Pfadi zu sein kann fürs Leben prägen

  27.03.2025

Liebe Leserinnen und Leser

Der Frühling steht vor der Tür und damit der Frühlingsputz. Was mir allerdings Kopfzerbrechen bereitet. Denn wenn Sie dieses Editorial regelmässig lesen, wissen Sie, dass in meiner Brust zwei Herzen schlagen: Einerseits habe ich zu nichts weniger Lust als aufs Putzen und andererseits habe ich es – zumindest in den eigenen vier Wänden – gerne sauber. Und das besonders im Badezimmer, wo die WC-Ente zu meinen besten Freunden zählt und ich mich diebisch freue, wenn ich im Laden WC-Papier mit orangefarbenen Ornamenten erstehen kann, weil das so schön zu meinem Duschvorhang passt.

Dass Sie das natürlich alles nicht hören wollen, ist mir schon klar. Ich habe mir ja auch schon überlegt, woher dieser Fimmel kommt. Und ich wurde fündig. Ziemlich sicher sind die Pfadis daran schuld. Wenn Sie nämlich in jungen Jahren schon mal im Sommerlager um drei Uhr morgens im strömenden Regen mit, na ja, beschleunigten Darmaktivitäten im Wald auf dem WC gesessen, oder besser gesagt gehangen sind – denn Sie wissen schon: Zwei Balken, einer zum «Sitzen» und einer, um sich festzuhalten – können Sie sich denken, dass das für einen Zwölfjährigen in aller Regel prägendere Erfahrungen sind als der erste Kuss. Zumindest bei mir war das so. Weil im Gegensatz zum ersten Kuss ist mir diese Nacht noch sehr deutlich in Erinnerung. Und jedes Mal, wenn mir heute in der Werbung der Begriff «Dusch-WC» begegnet, taucht auch diese Nacht vor meinem geistigen Auge wieder auf. Sie mögen mir also mein Faible für zum Duschvorhang passendes WC-Papier nachsehen …

Auch wenn Pfadi und Co. heute immer noch das grosse Abenteuer für Jungen und Mädchen versprechen und auch halten, wenigstens eines hat sich geändert: Auch in den Pfadilagern haben zivilisatorische Errungenschaften Einzug erhalten. Zumindest beim letzten Bundeslager 2022 in Goms standen den Pfadis 700 Toiletten und 130 Duschen zur Verfügung. Ob das WC-Papier zur Farbe vom Toilettenhäuschen gepasst hat, weiss ich zwar nicht, aber nun gut, ich will ja nicht kleinlich sein. Denn so oder so, gerade in Zeiten einer 24-Stunden-Dauersozialmediapräsenz mit grösstenteils sinnentleerten Inhalten, gehören die Pfadis zu den sinnvollsten Möglichkeiten, wie Kinder und Jugendliche ihre Freizeit verbringen können. Mein Kollege Gregor Szyndler war für uns am Pfadischnuppertag in Bottmingen und war jedenfalls sehr angetan. Aber lesen Sie selbst, ich wünsche Ihnen viel Vergnügen dabei.

Stefan Fehlmann


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