Reden, Singen, Mitmachen
29.01.2026Kennen Sie das auch? Manchmal passiert so viel in der Welt oder im eigenen Leben, dass einem schlicht die Worte fehlen. Man wird fast ein wenig sprachlos. Doch ein Blick in die Berichte unserer aktuellen Ausgabe zeigt schnell: Den Mund aufzumachen, lohnt sich eigentlich immer. Egal ob es um die ganz grossen Sorgen geht oder einfach um die Freude am gemeinsamen Erleben.
Ein Beispiel dafür ist Frank Köhnlein aus Bottmingen. Er arbeitet als Psychiater mit Jugendlichen, die es im Leben gerade besonders schwer haben. In seinem Beruf sucht er täglich nach Worten für Dinge, die sich kaum in Worte fassen lassen. Und weil ihm das Reden allein nicht genügt, schreibt er auch noch Kriminalromane darüber. Er zeigt eindrücklich, dass es wichtig ist, über Probleme zu sprechen, damit sie einen nicht er drücken.
Dass unsere Jugend alles andere als stumm ist, was ja eigentlich auch gut so ist, war im Basler Stadtcasino unüberhörbar. Dort haben 180 Schülerinnen und Schüler, unter anderem vom Gymnasium Oberwil, richtig Gas gegeben. Unter dem Motto «Flammende Erde» sangen und tanzten sie sich ihre Sorgen über den Zustand der Welt von der Seele. Das Ergebnis war Gänsehaut pur statt stilles Trübsalblasen.
Und dann ist da noch die pure Lebensfreude in Therwil und Ettingen. Der Männerchor und die «Vergissmeinnicht-Sängerinnen» haben gezeigt, was entsteht, wenn man zusammenkommt und gemeinsam ein paar Schlager anstimmt. Da wird nicht lange über den Sinn des Lebens philosophiert, sondern man geniesst die Gemeinschaft und dieses besondere Gefühl, wenn ein ganzer Saal im Takt mitklatscht.
Was uns all das sagt? Ganz einfach: Ob man seine Sorgen in einem Lied hinausruft, sie in einem Buch verarbeitet oder im Chor ein paar Evergreens mitsingt, entscheidend ist vor allem, dass man es nicht allein tut.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Freude beim Lesen. Und vielleicht bekommen Sie ja auch Lust, selbst wieder einmal so richtig die Stimme zu erheben.
Stephan Rüdisühli

