Regen kann das Oberwiler Eierleset nicht stoppen
16.04.2026 OberwilAm Sonntag fand wieder das Oberwiler Eierleset statt. Der Regen tat der Stimmung keinen Abbruch.
In der Festwirtschaft entlang der Hauptstrasse gibt es Snacks und Getränke. Neben Hotdogs und Bratwürsten werden Spiegeleier serviert. Sehr gefragt sind die Plätze unter dem Dach, wo die Leute gemütlich zusammensitzen. An einem der Verpflegungsstände streichen zwei Helferinnen Eiermasse auf Toastbrot. «Das Grünzeugs will ich aber nicht!», ruft ein hungriger Kunde lachend und zeigt auf die Petersilie, die sich aufs Brot verirrt hat. Derweil füllt sich die Hauptstrasse langsam aber sicher mit Publikum. Alle Alter sind vertreten. Regenschirme und Kapuzen dominieren das Bild. Es sind weniger Leute als letztes Jahr. Damals lockte das milde Wetter schon vor dem Start viele Leute an. Dieses Jahr kommen die meisten direkt auf den Anlass – wetterfest angezogen statt in kurzen Hosen wie vergangenes Jahr.
Für OK-Präsident Marcel Güntert ist das Eierleset vor allem eines: «Ein Zusammenkommen an einem gemütlichen Anlass.» Dieses Jahr nehmen 12 Teams teils. Fast wäre ein 13. dazugekommen: Der Handballclub Oberwil meldete sich als Aktivmannschaft an, zog sich aber zurück, weil kein zweites Aktivteam mitmachen wollte. Güntert hofft, dass sich im nächsten Jahr wieder mehr Aktive anmelden und das Feld breiter wird. Bei den Junioren treten in der ersten Runde Schwingclub-Junioren gegen Schülerinnen und Schüler des Schulhauses Thomasgarten an und in der zweiten der Handball- gegen den Fussballverein.
Auch dieses Jahr sind zwei Teams des Wohnheims Rebgarten dabei. Ein Bewohner läuft mit grosser Freude den Parcours, vergisst unterwegs aber das Ei. Sein Betreuer eilt hinterher, drückt es ihm beim Korb vorne in die Hand. Der Mann legt es sichtlich stolz in den Korb. Es brandet herzlicher, lauter Applaus auf. «Es ist schön, mit wie viel Freude die Heimbewohner teilnehmen», sagt Güntert. «Es ist ein familiärer Anlass, darum sind bei uns die Bewohner des Wohnheims Rebgarten sehr willkommen.»
Plauschteams und viele Freiwillige
Ein weiterer Fixpunkt des Eierleset sind die Plauschteams. Es treten Schülerinnen und Schüler der Klasse 1c des Thomasgarten-Schulhauses gegen Lehrerinnen und Lehrer des Marbachschulhauses an, die sich «Eggucation» nennen. «Die Plauschteams sind für die Stimmung wichtig», erklärt Güntert. Hier können alle mitmachen, Ideen einbringen und dem Anlass eine eigene Farbe geben. Gerade diese kreative, oft überraschende Seite wirke ansteckend, belebe das Ganze und motiviere ja vielleicht sogar weitere Gruppen, mitzumachen. Mit dem Aufnehmen und In-den-Korb-Werfen der Eier ist es hier allerdings nicht getan. Es gehören Zusatzaufgaben dazu: Eine Lehrerin wird von zwei Kollegen auf einem Balken durch den Parcours getragen, später drehen sich die Athletinnen zehnmal Kreis, bevor sie losrennen. Jetzt zeigt sich, dass es beim Eierleset nicht nur aufs Tempo ankommt, sondern auch aufs Gleichgewicht – und die Fähigkeit, trotz Schwindel genau zu zielen.
So unterhaltsam und turbulent das Eierleset ist, es steckt viel dahinter, was auf den ersten Blick unsichtbar ist. «Für mich ist die Unterstützung durch unsere Freiwilligen das Highlight des Tages», sagt Güntert. «Sie helfen den ganzen Tag von 8 Uhr 15 an mit, damit das so stattfinden kann. Egal, wie kühl und regnerisch es ist.
Dass die Freiwilligen mit so viel Motivation dabei sind, das hat mir sehr gefallen.»
Geschichtlicher Hintergrund
Erstmals belegt ist das Oberwiler Eierleset am 1. April 1894. Bilder auf Altoberwil. ch zeigen historische Ausgaben aus den 50er- und 90er-Jahren. Dort wird auch der symbolische Hintergrund des Anlasses erklärt: Das Ei steht in der Osterzeit für neues Leben und verweist auf die Auferstehung Jesu. Ausserdem galt es schon früh als Fruchtbarkeitssymbol. Mit dem Eierlesen soll diese Fruchtbarkeit sinnbildlich aufs Dorf übergehen. Es herrschte nicht immer Minne zwischen Oberwil und dem Eierleset. Früher war der Anlass «auf Weisung eines Gemeinderates einige Jahre verboten», wie zu erfahren ist. Die Gründe fürs Verbot: Zu viele schlecht geworfene Eier und zu viele Spuren an den Hausfassaden. Gregor Szyndler





