Rehe, Gämse und Wildschweine
01.10.2026 EttingenDas Ökosystem zwischen Wald und Landwirtschaft ist kein Selbstläufer. Es braucht für die Landwirtschaft Bauern, für den Wald den Förster und für die Tiere im Wald die Jäger. Aber, wo sind sie, die Jäger von Ettingen. Leider gab es bei der Jagdgesellschaft Fürstenstein eine Abspaltung. Der Gemeinderat musste bei der routinemässigen Neuvergabe des Jagdreviers zwischen zwei Jagdgesellschaften wählen. Ettingen ist eine von drei Gemeinden im Kanton Baselland, welche die Vergabe nicht von Beginn weg abschliessen konnte. In diesen Fällen hat der Regierungsrat das letzte Wort. Der Entscheid des Regierungsrates obliegt dem Entscheid des Gemeinderates.
Die rechtlichen Belange der Gemeinde Ettingen (Wildtier- und Jagdgesetz) werden durch einen Interimsjäger gedeckt. Er reicht alle Statistiken beim Kanton ein, macht die Nachsuche bei angefahrenem Wild und kümmert sich um die Jagd. Die Gemeinde Ettingen erfüllt so alle kantonalen Vorgaben.
Trotzdem scheint sich bei den Wildtieren der Nordwestschweiz herumgesprochen zu haben, dass es in unserem Bann etwas ruhiger zu und her geht. Durch den milden und praktisch frostfreien letzten Winter und auch durch das grosse Nahrungsangebot im Wald (Buchecker, Eicheln) haben sich zum Beispiel die Bestände der Wildschweine nahezu verdoppelt.
Seitens der neuen Jagdverordnung darf nachts im Wald nicht mehr gejagt werden. Das merken nicht nur die Wildschweine. Auch das Rehwild nimmt zu, was dem Förster bei Jungpflanzen Sorgen bereitet. Die Witterung und die Waldbesucher verhindern einen sicheren Abschuss bei Tageslicht.
In den letzten Wochen sind nicht nur in Ettingen, sondern im ganzen Kanton vermehrt Schäden durch Wildschweine aufgetreten. Der Schaden wird sich im Wiesland noch drastisch erhöhen, sobald Niederschläge den Boden aufweichen und die Sauen vermehrt Würmer, Engerlinge und Käfer finden können. Die Wildsauen reagieren sehr schnell auf einen hohen Jagddruck, vor allem auf dem Feld. Bei Abschüssen meiden sie dieses Gebiet meistens für ein bis zwei Wochen. Wenn der Jagddruck nicht hochgehalten werden kann, nehmen auch die Schäden, sehr zum Unmut der Landwirte, an landwirtschaftlichen Kulturen zu.
Die Jagd in Ettingen wird stark beeinflusst durch einen enormen Besucherdruck durch Reiter, Velofahrer, Wanderer und Hundehalter im Wald. Im Moment sind die vier Interimsjäger fast jede Nacht draussen, um zu schauen, wo die Wildschweine sind. Sie möchten verhindern, dass der Wildschaden auf den Feldern noch grösser wird. Wenn aber bis Mitternacht immer noch Autos bei der Haltestelle Chirsgärten parkiert sind, heisst das, dass das Wild auch in der Nacht gestört wird und dass zu jeder Zeit Personen im Wald herumlaufen.
Der Förster und sein Wald sind weniger wegen der Wildschweine, sondern eher wegen der Rehe und Gämsen gefordert. Der Wald sollte unbedingt verjüngt werden. Der Forstwart bemüht sich, vermehrt Bäume, welche klimaresistent sind, anzupflanzen oder diese vermehren zu lassen. Den grossen alten Buchen kann das Wild nichts anhaben. Das Wild frisst aber allen Jungpflanzen die Knospen weg, oder sie werden ganz gefressen, bevor sie richtig aus dem Boden kommen.
Für die Landwirte kommen die Schäden, welche durch die Wildschweine entstehen, sehr ungelegen. Sie haben mit dem heissen und trockenen Sommer und dem damit verbundenen Futtermangel genügend Probleme. Für einen guten Schutz der Landwirtschaftsfelder bleibt für sie wohl nur noch das Errichten eines Schutzzaunes.
Nach all diesen Erläuterungen sieht man, dass es die Jäger in einem funktionierenden Ökosystem einfach braucht, dass sie wichtig sind und dass sie fehlen, wenn sie nicht da sind. Aber auch wenn sie da wären, wäre das Problem nicht vom Tisch. Das geltende Gesetz und das starke Besucheraufkommen im Ettinger Wald und an den Waldrändern erschweren das sichere Jagen im Ettinger Bann.
Brigitte und Werner Stöcklin



