LESERBRIEF
Sehen, gehört und wahrgenommen werden
16.07.2026
Oberwil
Über das «alt» und «Alter» wird sehr viel geschrieben, doch niemand scheint eine adäquate Lösung zu haben. Dabei ist es doch so einfach.
Die Begegnung mit dem Alter fängt schon in der Kindheit an. Es ist an den Eltern, die Kinder damit vertraut zu machen. Die Grosseltern nicht nur als Hütedienst und Geschenkgeber zu sehen, sondern diesen ihr Leben zu verdanken. Wie nehmen Kinder ihre Grosseltern wahr? Was hören sie von ihren Eltern in Bezug auf die ältere Generation? Ich habe nie gehört, dass meine Eltern ihre Eltern als Alte tituliert haben. Das als Schimpfwort gedachte «die oder dä Alti» ist nur despektierlich. Es ist keine Schande, alt zu werden, denn das ist eine gelebte Tatsache und ein Privileg, sich zurückzulehnen und stolz zu sein, was geleistet wurde.
Aber auch die ältere Generation ist in der Pflicht, ein positives Licht auf das Alter zu werfen. Ich habe meine Oma mütterlicherseits nie jammern gehört, dass sie vieles nicht mehr machen könne. Sie war glücklich über das, was sie lebenslang konnte. Sie war eine kleine, bummelige und lustige Oma (hatte oft den Hut verkehrt auf dem Kopf), aber sie hat uns das Alter positiv vorgelebt.
Was ist die alte Tante an der Fasnacht, die man liebt? Eine humorvolle, würdige ältere Dame, nicht senil und nicht dumm, sondern liebenswert. Also Fazit: Die ältere Generation gehört zu unserer Gesellschaft, was hoffentlich auch der Politik wichtig sein sollte.
Vreni Aufranc, Oberwil
