Selbst die Musik war kriminell

  18.06.2026 Bottmingen

Jazzmusik auf dem elektrischen Stuhl, Kriminalprävention mit einem richtigen Polizisten und Morde mit Autor Wolfgang Bortlik – Literatur in der Trafohalle hatte viele Seiten.

«Send Me to the Lectric Chair» sang Nina Reiter mit sanfter Stimme. Schicke mich zum elektrischen Stuhl, heisst der von George Brooks komponierte und im Original von Bessie Smith gesungene Blues-Song aus den 1920er-Jahren übersetzt. Sängerin Nina Reiter gelang es in der Trafohalle im Unterwerk Bottmingen, selbst solch brutal klingenden Liedern eine feine und liebliche Note zu verleihen. Reiter ist Teil des Dominik Schürmann Quartetts, das am vergangenen Donnerstag musikalisch durch den Abend führte.

Die dreitägige Reihe «Krimi & Jazz» von Literatur in der Trafohalle verband ernsthafte und fantasievolle Kriminalität und Jazzmusik. Die Kombination gelang dank stilistisch und inhaltlich passender Lieder, den realen Erzählungen von Präventionspolizist Patrick Blatter und den fiktiven Geschichten von Krimiautor Wolfgang Bortlik. Das Dominik Schürmann Quartett lancierte den Abend mit «Mack the Knife», der englischen Version des berühmtesten Prologs aus der Dreigroschenoper. Das Stück handelt von einem Verbrecher aus der Londoner Unterwelt.

«Discountdetektiv und Kulturtaugenichts»
Der 1952 in München geborene und seit 1965 mit Unterbrüchen in der Schweiz lebende Schriftsteller Wolfgang Bortlik verriet im Gespräch mit Moderator Raphael Zehnder, dass es durchaus vorkomme, dass er sich in seinen Büchern inhaltlich mit einem Erzählstrang, einem Witz oder einer Wendung mal wiederholt, da er sich schlichtweg nicht mehr an alle Inhalte seiner Werke erinnern kann. Der rote Faden durch all seine Kriminalgeschichten vollzieht Wolfgang Bortlik mit Melchior Fischer, dem «Discountdetektiv und Kulturtaugenichts» – Zitat Bortlik, der sich stets in polizeiliche Ermittlungen einmischt und immer wieder in Fettnäpfchen tritt.

Auch in seinem neusten Werk «Die drei schönsten Toten von Basel» geht Fischer auf Verbrecherjagd. In der Basler Fasnachtswoche wurden am Entenweiher in den Langen Erlen nacheinander drei Leichen gefunden. Die Kriminalpolizei ist überfordert. Waren es wirklich Morde oder doch Unfälle? Geht ein Serienmörder um? Hobbydetektiv Fischer schaltet sich ein, als sein Freund Bike-Werner als Verdächtiger festgenommen wird.

«Einfach mal drauflos schreiben»
Wolfgang Bortlik las in der Trafohalle gleich aus drei seiner Bücher vor: Neben «Die drei schönsten Toten von Basel» las der mittlerweile in Riehen wohnende Autor aus «Basler Gleichstand» von 2022 und aus einer Kurzgeschichte aus dem Sammelwerk «Müsli, Mord und Matterhorn». In «Basler Gleichstand» wurden ein Bankier und ein grüner Lehrer ermordet. Der Bankier wurde bei der Tramschlaufe Eglisee gefesselt im Gebüsch gefunden. Haben die Morde einen Zusammenhang?

Wolfgang Bortliks Art zu erzählen und berichten kam beim Publikum in der Trafohalle sehr gut an. Der Autor liess offen, ob «Die drei schönsten Toten von Basel» sein letzter Kriminalroman sein wird. Er habe Gefallen daran gefunden, ohne genau nachzudenken, «einfach mal drauflos zu schreiben». Das Schreiben von Kriminalgeschichten sei harte Arbeit, betonte Bortlik. Die Zusammenhänge müssen stets schlüssig und stimmig sein. Er wolle wieder mehr «schöne Kunst» als Literatur machen, verriet der Autor aus Riehen.

Es kann jede und jeden treffen
Weit ernster zu und her geht es im Alltag von Patrick Blatter. Der Präventionspolizist der Polizei Basel-Landschaft gab im Gespräch mit Raphael Zehnder Ratschläge, wie man sich gegen Einbrüche, Phishing-Mails und Schockanrufe schützen kann. Eine aktuell häufig festgestellte Masche der Betrüger seien Anrufe von falschen Bankangestellten, die den Opfern von Problemen mit dem Bankkonto oder einer Transaktion erzählen. Damit wollen sie Angst und Druck erzeugen, damit die Opfer über Umwege ihre Bankdaten preisgeben.

Die wichtigste Botschaft von Patrick Blatter neben den Tipps und Tricks, wie man sich präventiv schützen kann, lautete: «Sie können jeden von uns auf dem falschen Bein erwischen.» Schon viele, die gemeint hätten, «mir könnte das nie passieren», wurden Opfer einer solchen Betrugsmasche, berichtete der Präventionspolizist. «Sie werden so manipuliert, dass sie alles machen», sagte Blatter in Richtung Publikum. «Das hat nichts mit Blödheit zu tun.»
Tobias Gfeller


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