So klingt die Blaue Stunde

  30.07.2026 Bottmingen

Die Violinistin Malwina Aram-Sosnowski wird am 16. August das Bottminger Publikum in einem Gartenkonzert musikalisch vom Tag in die Nacht begleiten.

Es gibt Tage, an denen sich die nächtliche Dunkelheit einfach in den Tag hineinschleicht. An Abenden, an denen man länger arbeitet, noch das eine oder andere erledigen muss und beim Verlassen des Arbeitsplatzes erst feststellt, dass der Tag schon wieder vorbei ist. Doch in heissen Sommernächten, wie es sie in diesem Sommer wohl schon genügend gab, kommt die Dunkelheit langsam. Wir sehnen uns nach ihr, nach einer Erleichterung der stechenden Sonnenstrahlen. Dabei vergessen wir oft, auch das Dazwischen zu geniessen: Die Blaue Stunde – weder Tag noch Nacht. Der Himmel leuchtet in einem tiefen Blau, während der Horizont noch warm gelb glüht. Mit der leicht kühleren Luft spürt man die Nacht, noch bevor man sie sehen kann. Und am 16. August soll man diese Stunde auch hören können. Die Violinistin Malwina Aram-Sosnowski tritt gemeinsam mit Tomohiro Lino an der Marimba im Rahmen der Gartenkonzerte-Reihe in Bottmingen auf. Das Thema: die Blaue Stunde – der Übergang vom Tag zur Nacht und von der Nacht zum Tag.

Malwina Aram-Sosnowski ist zugleich Organisatorin der Gartenkonzerte-Reihe, die jährlich in der Region Basel und auch in anderen Kantonen stattfindet. In diesem Jahr treten elf Musikerinnen und Musiker treten in einzigartigen Gärten auf, oftmals in privaten, die im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung ausgewählt werden.

In Bottmingen ist Aram-Sosnowski gerne für Spaziergänge unterwegs. Die Natur, die Weite und der schöne Ausblick hätten sie schon immer bewundert, erzählt sie. «Der Sonnenuntergang muss hier wunderschön sein», dachte sie sich dabei oft. Als sich unter den Bewerbungen aus Bottmingen der Garten eines Mehrgenerationenhauses an der Astershagstrasse mit einem «wunderschönen Ausblick in die Ferne» befand, hatte Aram-Sosnowski keine Zweifel, dass dieser Garten gut in ihre Konzertreihe passen würde.

Einen Austausch zwischen verschiedenen Epochen
Begleitet von Tomohiro Lino an der Marimba wird die Violinistin die Zuhörerinnen und Zuhörer während der Blauen Stunde musikalisch vom Tag in die Nacht führen. Das Programm umfasst stimmungsvolle Stücke, die die Freude eines neuen Tages einläuten, ebenso wie Werke mit Bezug zur Nacht, etwa «Fratres» von Arvo Pärt. «Wir haben Stücke aus verschiedenen Epochen ausgewählt, die Charakter haben», erklärt Malwina Aram-Sosnowski.

Bereits in jungen Jahren legte Malwina Aram-Sosnowski den Grundstein für eine erfolgreiche Karriere in der klassischen Musik. Ihre Anfänge auf der Geige machte die Violinistin mit polnischen Wurzeln in Basel, zunächst als Jungstudentin an der Musikhochschule Basel. Später reiste sie als Mitglied und Solistin des Sinfonieorchesters Basel auf Tournee nach China. Anschliessend studierte Aram-Sosnowski in Aachen sowie an der Hochschule der Künste Bern. Auch Auszeichnungen blieben nicht aus: Als Jungstudentin gewann sie den Internationalen Postacchini-Violinwettbewerb, während ihres Studiums erhielt sie einen Spezialpreis am Curtis Institute of Music in Philadelphia. Ihren Master schloss sie mit dem Tschumi-Preis für den besten Abschluss des Jahres ab.

Vorzeigeausbildung hin oder her: Aram-Sosnowski wollte in ihrer Karriere neue künstlerische Bereiche entdecken. «Ich war schon immer eine Person, die sich gerne herausfordert», sagt die Violinistin. «Ausserdem mag ich den Austausch mit den Zuschauenden und wollte auch einer anderen Art von Publikum begegnen.» Im Laufe ihrer Karriere schrieb Aram-Sosnowski Filmmusik, spielte ihre Geige zu elektronischer Musik und improvisierte gemeinsam mit dem Schweizer Dichter Jürg Halter bei Auftritten an Literaturfestivals. Obwohl sie sich gerne auf andere Kunstformen einlässt, bleibt die klassische Musik ihr künstlerischer Schwerpunkt. In ganz Europa ist sie als Solistin und Kammermusikerin unterwegs.

Vom Freundeskreis in die Öffentlichkeit
Als zu Beginn der Corona-Pandemie im Jahr 2020 grosse Konzerte plötzlich unmöglich wurden und dies für weitere Monate so blieb, suchte sie nach kreativen Wegen, klassische Musik zu den Menschen zu bringen. Die Gartenkonzerte fanden zunächst in einem deutlich kleineren Rahmen statt – privat und meist unter Freunden. Aram-Sosnowski erinnert sich: «Schnell kam mir aber die Idee, diese Konzerte öffentlich zu machen und weitere Musikerinnen und Musiker auftreten lassen.»

Sechs Jahre später finden auch dieses Jahr wieder Gartenkonzerte in der Region Basel statt. Zwischen dem 14. und 23. August können insgesamt elf Konzerte besucht werden. In der Stadt Basel verweben die Oltner Autorin Rebekka Salm und Malwina Aram-Sosnowski Literatur und Musik zu einer Inszenierung der Geschichte von «Metzina». In Oberwil erfahren Kinder, wie der Sommer klingen kann. Ein Klaviersolo zwischen Klassik und Jazz gibt es in Allschwil, ein Akkordeon-Solo in Binningen. Das Konzert in Bottmingen findet am 16. August um 19.30 Uhr an der Astershagstrasse statt. Bei schlechtem Wetter wird es in der Trafohalle durchgeführt. Tickets für die einzelnen Konzerte sind auf der Website Gartenkonzerte.ch erhältlich.
Helena Quarck


Image Title

1/10


Möchten Sie weiterlesen?

Ja. Ich bin Abonnent.

Haben Sie noch kein Konto? Registrieren Sie sich hier

Ja. Ich benötige ein Abo.

Abo Angebote