Sommergaudi mit Heimatliebi und Stubete Gäng
20.08.2026 TherwilAm vergangenen Samstag wurde der Sportplatz Känelmatt 2 in Therwil zum Treffpunkt für Jung und Alt. Das restlos ausverkaufte Baselbieter Sommergaudi brachte das Dorf zum Tanzen, Singen und Feiern. Schon tagsüber stand der grosse Dörferwettkampf im Mittelpunkt: Teams aus Therwil, Oberwil, Ettingen und Biel-Benken traten in den Kategorien Plausch und Familie in verschiedenen Disziplinen gegeneinander an. Am Abend gehörte die Bühne der Musik – zunächst Heimatliebi, später der Stubete Gäng.
Heimatliebi: Drei Stimmen, ein Sound
Den Konzertabend eröffnete Heimatliebi. Die drückende Sommerhitze war noch deutlich zu spüren, doch sie konnte das Publikum nicht davon abhalten, mitzusingen und das Tanzbein zu schwingen. Mit viel Spielfreude brachten Urs Fischer «Dr Eidgenoss», Adamo Häller und Andreas Scheiben «Schibä» das Publikum in Partylaune.
Drei Musiker, drei Stimmen und ein Sound. Doch wie entsteht eigentlich ein Heimatliebi-Song? «Dr Eidgenoss» gibt einen Einblick in den kreativen Prozess: «Von irgendwo kommt eine Idee her, die wird in den Topf geschmissen und dann einmal richtig durchgeschüttelt und durchgerührt, bis der Song fertig ist.» Dabei werde nichts dem Zufall überlassen. Die Stücke würden bis ins letzte Detail auseinandergenommen: «Was könnte man mit dem Örgeli noch machen, wo könnten wir weitere Stimmen aufnehmen?» Jeder Song durchlaufe eine kreative Entwicklung. Gerade diese Vielfalt macht für die Musiker den besonderen Heimatliebi-Sound aus. Unterschiedliche Dialekte treffen auf verschiedene Stimmen und Instrumente, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Aus diesem Zusammenspiel entsteht etwas Eigenständiges.
Auch der Name der Band ist Programm. «Heimatliebi ist der Ursprung und die Quelle von vielen Songideen. Sie haben immer ein Stück mit Heimat zu tun», erzählt «Schibä». Dahinter steckt nicht nur musikalische Inspiration, sondern auch Dankbarkeit: «Es ist ein riesiges Privileg, dass wir in der Schweiz geboren wurden und hier leben dürfen.» Besonders die Vielfalt des Landes liege der Band am Herzen. «Jedes Fläckchen hat seine Eigenheiten.»
Diese Liebe zur Heimat war auch auf der Bühne spürbar. Zwischen Akkordeon, markanten Stimmen und kräftigem Rhythmus entstand eine Atmosphäre, die perfekt zum Sommergaudi passte: ausgelassen, herzlich und ganz ohne Berührungsängste.
Stubete Gäng: Generationen gemeinsam auf der Tanzfläche
Als die Temperaturen langsam angenehmer wurden, füllte sich das Gelände immer mehr. Die Spannung stieg, denn nun wurde die Stubete Gäng erwartet. Seit ihrem ersten Album im Jahr 2019 hat sich die Formation zu einem festen Bestandteil der Schweizer Musiklandschaft entwickelt und füllt inzwischen die grössten Bühnen des Landes. Umso besonderer war es, dass sie an diesem Abend in «Därwil» beim Baselbieter Sommergaudi auftrat. Die Formation besteht aus den Brüdern Aurel und Moritz Hassler, ihrem Vater Hans Hassler, dessen Bruder Claudio Hassler sowie Oliver Herzog, Atanas Marinov, Seraphim von Werra und Simon Britschgi. Dass bei der Stubete Gäng verschiedene Generationen gemeinsam auf der Bühne stehen, ist dabei weit mehr als eine aussergewöhnliche Bandkonstellation. Es ist Teil dessen, wofür die Musiker stehen. «Weshalb wir alle Generationen ansprechen, das liegt uns zugrunde – das sind unsere Werte», erklärt Moritz. Die beiden Brüder wuchsen in einer Familie mit fünf Kindern auf. Rücksichtnahme, Zusammenhalt und das gemeinsame Erleben gehörten schon früh zum Alltag. «Wir verbinden. Es geht darum: Was machen wir miteinander?»
Dieses Miteinander prägt auch ihre Musik. Vater, Söhne und Onkel musizieren gemeinsam – und bringen damit unterschiedliche Generationen nicht nur auf der Bühne, sondern auch davor zusammen. Für die Musiker sei es ein Geschenk, vor einem Publikum auftreten und diese Freude teilen zu dürfen.
Was daraus entstehen kann, zeigte sich an diesem Abend besonders eindrücklich. Von den ersten Takten an hatte die Stubete Gäng das Publikum im Griff. Ihre fröhliche und offene Art sprang sofort auf die Menge über. Menschen unterschiedlichen Alters sangen, tanzten und feierten miteinander. Für Aurel ist genau das ein wichtiger Bestandteil eines gelungenen Konzertabends: «Das kann ein schöner Moment sein, eine super Stimmung vom Publikum. Wenn die Kleinen mit den Grosseltern und alle zusammen am Konzert sind, macht es das immer besonders.»
Dann wurde aus der guten Stimmung endgültig ein Sommergaudi-Moment. Bei «Muesch gspüüre» rollten riesige Bälle durch die Menge und wurden von den Besucherinnen und Besuchern weitergeschubst. Kurz darauf folgte die ersehnte Abkühlung: Wasser spritzte über einen Schlauch mitten ins Publikum. Bei den noch immer sommerlichen Temperaturen wurde daraus eine willkommene Überraschung. «Muesch gspüüre» war plötzlich nicht mehr nur ein Lied, sondern ein Erlebnis, das man hören, sehen und vor allem spüren konnte.
Genau diese unmittelbare Verbindung zum Publikum ist es, die die Stubete Gäng sucht. «Wir gehen gerne auf die Leute zu, lassen sie dort, wo sie sind, und versuchen, sie mit ihren Mitteln anzusprechen.» Ihre Musik soll möglichst vielen Menschen einen Zugang ermöglichen – mit Freude, einer Prise Humor und gleichzeitig auch mit Tiefgang.
Brooke Keller


