Startschuss für nachhaltige Wärme
20.03.2025 BottmingenDie Gemeinde Bottmingen zeigte an einem Gemeindeanlass den Weg in eine Zukunft ohne fossile Wärmeerzeugung. Der Abend stiess auf reges Interesse.
Die Burggarten-Aula füllt sich so schnell, dass die Verantwortlichen mehr Stühle holen müssen. Sabine Pfammatter, Co-Leiterin Raumplanung, Bau, Umwelt (RBU) sowie Ressortverantwortliche Natur, Energie und Umwelt, freut sich. «Wir haben nur mit 50 Interessierten gerechnet.» Sprachs und eilte auch schon wieder in den Lagerraum, um noch mehr Stühle zu holen. An Primeo- und IWB-Infoständen lassen sich Interessierte in der Zwischenzeit über fossilfreie Wärmeversorgung informieren. Die Wärmeversorgung ist kein öffentlicher Auftrag, sondern liegt in der Verantwortung der Immobilienbesitzer.
Inputs von Anwohnenden gefragt
Stellwände zeigen die Energieplankarten der Gemeinde Bottmingen: Wo sind Anschlüsse an den Wärmeverbund möglich? Wo müssen Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer andere Lösungen finden? Viele Neugierige suchen ihre Grundstücke, um herauszufinden, wie die Bedingungen sind. Auf anderen Stellwänden laden Kärtchen und Filzstifte die Anwesenden ein, «Gebiete mit speziellen Herausforderungen», «Notwendige/gewünschte Unterstützung für Gebäudeeigentümer» sowie «Kritik/ Fragen zur Energieplanung» zu platzieren. Wer diese Möglichkeit nicht an diesem Abend nutzen wollte, kann dies auch auf der Mitwirkungsplattform tun.
Klimaneutrale Wärme bis 2050
Gemeindepräsident Christian Caderas begrüsste die Anwesenden. Es geht heute darum, Hausbesitzerinnen und -besitzern Planungssicherheit zu geben und in den langen Prozess einzuführen, der vom bevorstehenden Rückbau des Bottminger Gasnetzes ausgeht. Das Ziel ist klar: eine klimaneutrale Wärmeversorgung bis 2050. Um es zu erreichen, wird der Wärmeverbund Bottmingen erweitert und nach und nach auf Erneuerbare umgestellt. Dr. Roland Wagner vom Amt für Umweltschutz und Energie des Kanton Baselland verschaffte im Anschluss einen Überblick zu «fossilfreie Wärme im Kanton Basel-Landschaft». Die Wärmeenergie im Kanton wird zu je einem Drittel von Gewerbe, Wohnen und Verkehr verbraucht, wie er ausführte. Frappierend ist die Importabhängigkeit bei den Fossilen: Sie beträgt 2/3. Höchste Zeit, davon loszukommen.
Viele Herausforderungen
Reto Rigassi von der ENCO Energie-Consulting AG informierte über die Energieplanung in Bottmingen. Ein Ausbau des Wärmeverbunds muss wirtschaftlich sein. Wenn in einer Strasse mit zehn Häusern nur eins an den Verbund angeschlossen werden soll, ist das nicht möglich. Grundsätzlich ist ein Wärmeverbund teurer als eine eigene Wärmepumpe. Wärmepumpen brauchen allerdings viel Platz und für Erdsonden kann nicht überall tief genug gebohrt werden. Auch historische Liegenschaften stellen Herausforderungen, sei es durch Auflagen oder Platzmangel. Da kann ein Nano-Wärmeverbund Abhilfe schaffen, wie sie die IWB bereits baut und erprobt – die Wärmeversorgung benachbarter Gebäude wird dabei zusammengeschaltet.
Wärmeverbund Leimental
Auch zum Wärmeverbund Leimental, der aus Bottmingen, Oberwil und Therwil besteht, gab es viel zu erfahren. So wurden laut neuesten Zahlen 40‘000 Megawattstunden Energie verkauft (erst 56,8 % aus Erneuerbaren, was verbessert werden soll). Im Leimental gibt es 22 km Fernwärmeleitungen. Die Gemeinde Bottmingen trägt mit den Wärmezentralen im Burggartenschulhaus und in der Gemeindeverwaltung dazu bei. Im Burggartenschulhaus wurde 2024 eine Wärmepumpe und auf dem Schulhausdach eine Fotovoltaikanlage installiert, die einen Teil des dafür notwendigen Stroms produziert. Die Wärmezentrale in der Gemeindeverwaltung ist heute noch fossil. Sie wird in den nächsten Jahren ersetzt und auf Biomassenfeuerung umgestellt.
Fragen aus dem Publikum
Im Anschluss gab es eine Fragerunde. Die Fragen drehten sich um den Zeitrahmen des bevorstehenden Gasnetzrückbaus (in ca. 2 Jahren können die IWB mehr sagen). Auch die Frage, ob Mehrfamilienhäuser mit Wärmepumpen geheizt werden können, tauchte auf. Dies ist laut dem Experten für 20–30 Wohneinheiten relativ einfach – erforderlich sind einfach entsprechend mehr Pumpen. Das führte zu Nachfragen wegen Vibrationen und Lärm bzw. zur Frage, wie weit vom eigenen Haus entfernt solche Pumpen aufgestellt werden dürfen (bis maximal 2,5 m von der Parzellengrenze entfernt ist es möglich).
Gregor Szyndler
Info-Veranstaltung Energieplanung: Bringen Sie sich ein!
Sie konnten nicht an der Präsenzveranstaltung teilnehmen, möchten aber wissen, weshalb die Gemeinde eine Energieplanung macht und was das für Liegenschaftsbesitzende bedeutet und eine Rückmeldung dazu geben? Dann haben Sie die Möglichkeit einer sog. E-Mitwirkung unter https://dialog-bottmingen.ch.Informieren Sie sich und geben Sie Rückmeldungen direkt in das Dokument «Energieplanung Bottmingen» und in die «Energieplankarte» ein. Die Mitwirkung ist möglich bis am 17. April 2025. Für eine Mit wirkung werden Sie auf der Plattform dazu aufgefordert, sich zu registrieren. Bei Fragen oder Schwierigkeiten wenden Sie sich bitte an news@bottmingen.ch.