REVISION ORTSPLANUNG
Verdichten mit Mass: Was Bottmingen aus der Mitwirkung mitnimmt
24.09.2026
Bottmingen
Die Revision der Ortsplanung geht in die nächste Runde. Die Rückmeldungen der Bevölkerung zur Gesamtstrategie zeigen: Die Bottmingerinnen und Bottminger wollen, dass sich ihre Gemeinde weiterentwickelt und neuer Wohnraum geschaffen wird – aber nicht um jeden Preis.
Wie soll Bottmingen in 10, 15 oder 20 Jahren aussehen? Wie soll sich die Gemeinde weiterentwickeln, wo soll Neues entstehen und was soll unbedingt erhalten bleiben? Mit diesen und weiteren Fragen hat sich die Bevölkerung im Rahmen der Mitwirkung zur Gesamtstrategie der Revision Ortsplanung auseinandergesetzt.
Das Interesse war gross: Rund 180 Personen nahmen am Info- und Dialoganlass vom 4. Mai 2026 teil und diskutierten an moderierten Tischrunden über die räumliche Zukunft Bottmingens. Während der anschliessenden rund einmonatigen Mitwirkungsperiode gingen via E-Mitwirkung 124 Textrückmeldungen von 40 Personen sowie zahlreiche Antworten auf eine allgemeine Umfrage ein. Ergänzt wurden diese durch weitere Eingaben per E-Mail.
Die Rückmeldungen sind divers – und genau das macht sie für die weitere Planung wertvoll.
Innenentwicklung: Ja – aber mit Qualität
Eine der zentralen Herausforderungen der Ortsplanung ist die Innenentwicklung. Bund und Kanton verfolgen das Ziel, die Siedlungsentwicklung stärker nach innen zu lenken, anstatt neue Flächen am Siedlungsrand zu beanspruchen. Auch Bottmingen wird sich deshalb mit der Frage auseinandersetzen müssen, wo und in welchem Mass zusätzlicher Wohnraum entstehen kann.
Die Mitwirkung zeigt dabei einen bekannten Zielkonflikt: Die Notwendigkeit einer gewissen Entwicklung wird erkannt. Gleichzeitig äusserten rund 63 Prozent der Befragten Bedenken gegenüber dem prognostizierten Bevölkerungswachstum und zusätzlichem Wohnraum im bestehenden Siedlungsgebiet.
Als geeigneter für eine stärkere Verdichtung werden insbesondere Bottmingen Nord und die Talsohle gesehen. In Hanglagen sowie in kleineren und von Einfamilienhäusern geprägten Quartieren wird hingegen eine zurückhaltendere Entwicklung erwartet.
Damit bestätigt die Mitwirkung einen wichtigen Grundsatz der Gesamtstrategie: Innenentwicklung bedeutet nicht, überall gleich dicht zu bauen. Entscheidend ist, wo Entwicklung sinnvoll ist und welche Qualität sie für das Quartier und die Gemeinde bringt.
Diese Rückmeldungen wurden bei der Weiterbearbeitung der Strategie berücksichtigt. Unter anderem wurde der Perimeter für «dichtes Wohnen entlang der Hauptachsen» verkleinert.
Die Mitwirkung macht auch deutlich, unter welchen Bedingungen eine stärkere Entwicklung akzeptiert wird. Die Bevölkerung verbindet «Innenentwicklung» nicht einfach mit zusätzlichen Wohnungen, sondern mit der Frage, wie diese Entwicklung gestaltet wird und was die Gemeinde lebenswert macht.
Besonders häufig genannt wurden der Erhalt und die Aufwertung von Grünräumen und Baumbestand, eine hohe Aufenthaltsqualität, sichere Fuss- und Veloverbindungen sowie eine gute architektonische und städtebauliche Qualität.
Damit wird ein Spannungsfeld sichtbar, das viele Gemeinden beschäftigt: Mehr Menschen sollen in bestehenden Siedlungsgebieten Platz finden, gleichzeitig sollen genau jene Qualitäten erhalten bleiben, die einen Ort lebenswert machen.
Die Revision der Ortsplanung soll deshalb nicht nur klären, wo mehr gebaut werden kann, sondern auch, welche Qualitäten dabei erhalten, geschaffen oder verbessert werden sollen.
Ein lebendiges Zentrum und mehr Raum für Begegnung
Ein weiterer Schwerpunkt der Rückmeldungen liegt beim Zentrum. Gewünscht werden mehr Aufenthaltsqualität, Begegnungsmöglichkeiten und Begrünung sowie attraktive Einkaufs- und Gastronomieangebote.
Betreffend Verkehr wurden sichere und direkte Fusswege sowie bessere Verbindungen für den Veloverkehr als wichtige Anliegen genannt.
Eine Mehrheit wünscht sich eine naturnahe Aufwertung des Birsig als Erholungsachse sowie den Schutz von Grünflächen und wertvollem Baumbestand – auch dort, wo gleichzeitig eine bauliche Entwicklung stattfinden soll.
Bei der Frage nach den wichtigsten Prioritäten für die nächsten 10 bis 15 Jahre standen deshalb Grün- und Freiräume, der Schutz des Ortsbilds und die Anpassung an den Klimawandel weit oben.
Löchlimatt und Wuhrmatt: Entwicklung mit unterschiedlichen Schwerpunkten
Besondere Aufmerksamkeit gilt den beiden grösseren Entwicklungsgebieten Löchlimatt und Wuhrmatt/Pfaffängel.
Für die Löchlimatt wurden insbesondere Grün- und Freiflächen, eine gute Einbettung in das Ortsbild und eine hohe Aufenthaltsqualität genannt. Gewünscht werden unter anderem Begegnungs-, Sport-, Freizeit-, Kultur- und Gastronomieangebote. Auch bestehende Zwischennutzungen sollen nach Möglichkeit berücksichtigt werden. Der Gemeinderat hat dazu im Sommer 2026 entsprechende Leitsätze definiert: Die Löchlimatt soll schrittweise zu einem gemischt genutzten Gebiet entwickelt werden. Entlang des Birsigs ist ein öffentlicher Freiraum mit Zugang zum Gewässer vorgesehen.
Für die Wuhrmatt/Pfaffängel wird dagegen eine dichtere Bebauung als grundsätzlich geeigneter beurteilt. Denkbar ist eine Kombination von Wohnen und Gewerbe; auch Angebote für altersgerechtes Wohnen werden als passend beurteilt. Beide Gebiete sollen bei ihrer weiteren Entwicklung mit der Aufwertung des Birsigs abgestimmt werden.
Was ist mit den Rückmeldungen passiert?
Die Mitwirkung lieferte der Gemeinde ein Stimmungs- und Meinungsbild und zeigte auf, welche Anliegen bei der weiteren Planung berücksichtigt werden sollen. Die ein-gegangenen Rückmeldungen wurden deshalb ausgewertet und sind in die Weiterentwicklung der Gesamtstrategie eingeflossen. Der Gemeinderat hat an seiner Sitzung vom 8. September 2026 die Gesamtstrategie verabschiedet. Der vollständige Mitwirkungsbericht ist auf der Website der Gemeinde veröffentlicht. Damit wird nachvollziehbar, welche Themen eingebracht wurden und wie die Gemeinde damit umgeht.
Wie es weitergeht
Mit der Gesamtstrategie wird die übergeordnete Richtung für die weitere räumliche Entwicklung Bottmingens festgelegt. Als nächster Schritt wird diese Richtung zunehmend konkreter: Die Inhalte werden in die eigentliche Nutzungsplanung überführt. Dabei geht es unter anderem um die zukünftige Ausgestaltung der Bauzonen, die bauliche Dichte und die Freiräume sowie um den Umgang mit wertvollen Ortsbildern und Naturwerten.
Die Bevölkerung wird auch in diesen weiteren Phasen Gelegenheit haben, sich einzubringen.
Der Gemeinderat bedankt sich herzlich für alle Rückmeldungen und nimmt diese in die weitere Planung mit. Das Ziel bleibt eine massvolle und qualitätsvolle Weiterentwicklung Bottmingens, die Raum für die zukünftige Bevölkerung schafft und gleichzeitig die Qualitäten bewahrt und stärkt, die Bottmingen heute ausmachen.
Den Mitwirkungsbericht finden Sie unter bottmingen.ch/ortsplanung bzw. via QR-Code.


