Viele kleine Gebäude machen Bottmingen aus
26.03.2026 BottmingenMit einem neuen Fachgutachten, dem Bauinventar Ortskern, über sämtliche Gebäude lanciert die Gemeinde die künftige Bau- und Nutzungsplanung im Bottminger Ortskern.
«Unsere Ortskerne sind wichtige Anhaltspunkte für Leute, die zuziehen und sich hier heimisch fühlen wollen.» Jürg Andrea Bossardt, der in Oberwil wohnhafte Kunsthistoriker und frühere Denkmalpfleger des Kantons Aargau, unterstrich als Co-Projektleiter bei der Präsentation des Fachgutachtens als Grundlage für das neue Bauinventar über den Bottminger Ortskern die Bedeutung der historischen Zentren in den Dörfern im Leimental, der Region Basel und allgemein in der Schweiz. Jedes Dorf sei geprägt von seiner individuellen Geschichte, den Epochen und architektonischen Stilmitteln. Im Leimental dominieren vielfach die Riegelbauten, die sogenannten Sundgauer Fachwerkhäuser.
Der Bottminger Ortskern stehe wie anderen Ortskerne vor unterschiedlichen Herausforderungen, betonte Gemeindepräsident Christian Caderas in seiner Begrüssungsansprache zur Informationsveranstaltung am Montag vergangener Woche in der Aula des Burggartenschulhauses. «Wie wird der Ortskern weiterentwickelt, ohne seinen Charakter zu verlieren? Wie gestalten wir die Bedürfnisse in Anbetracht der heutigen und morgigen Generationen?», fragte Caderas rhetorisch.
An der Informationsveranstaltung standen Vertreterinnen und Vertreter des Gemeinderats, der Verwaltung und mehrere Fachpersonen Rede und Antwort. «Uns ist wichtig, dass Sie die Hintergründe und Ziele der Arbeiten verstehen. Wir wollen Transparenz in der Kommunikation und Gleichbehandlung der Eigentümer im Ortskern sicherstellen», sagte Caderas. Der Gemeinderat ist sich bewusst, dass die Thematik der Neueinstufung von Liegenschaften in Schutzkategorien grosse Brisanz birgt. Als Negativbeispiel dienen vielen Gemeinden die Streitigkeiten darüber in Arlesheim.
Präzisierungen bei den Schutzkategorien
Für das neue Bauinventar wurden hundert Liegenschaften im Ortskern vier Schutzkategorien zugeordnet. Bis anhin waren es drei Schutzkategorien. Mit der Erweiterung soll eine Präzisierung der Beurteilung einhergehen. 61 von 100 Objekten erfahren eine Umkategorisierung: 14 Objekte wurden einer höheren Kategorie zugefügt. Zehn Liegenschaften wurden heruntergestuft. 36 Gebäude erfahren eine Präzisierung in der mittleren Kategorie, zwei Gebäude wurden neu der Kategorie «Geschützte Bauten» zugeführt.
Zur tiefsten Schutzkategorie «Übrige Bauten» gehört der Block an der Therwilerstrasse 1. Diese Bauten haben keinen ortsbildenden Charakter und sind nicht schützenswert. «Bauten mit Situationswert» haben eine raumbildende Bedeutung und prägen Strassenräume oder Plätze. Als Beispiel nannte Jürg Andrea Bosshardt das Gebäude an der Therwilerstrasse 2, wo aktuell unter anderem eine Apotheke, ein Blumenladen und eine Zahnarztpraxis eingemietet sind.
In der Schutzkategorie «Erhaltenswerte Bauten» sind Liegenschaften mit einer Bedeutung als Einzelobjekte und Bestandteil für das Ortsbild gelistet. Als Beispiel wurde der Stall beziehungsweise die Scheune an der Therwilerstrasse 11 genannt. Die Stellung und der Kubus hätten einen hohen Wert für den historischen Ortskern von Bottmingen, betonte Kunsthistoriker Jürg Andrea Bossardt. Zur höchsten Schutzkategorie «Geschützte Bauten» gehört die Gebäudegruppe mit dem Dorfmuseum und der Gemeindestube an der Therwilerstrasse 16. Die Gebäudegruppe ist prägend für den Bottminger Ortskern und seit 1984 kantonal geschützt. Solche Bauten dürfen nicht abgerissen werden.
Ortskern soll sich weiterentwickeln können
Die Beurteilungen im 230 Seiten umfassenden Fachgutachten über den Bottminger Ortskern haben noch keinen rechtlich verbindlichen Wert. Sie dienen als Grundlage für weitere Entscheidungen. Eigentümerinnen und Eigentümer haben für ihre Rückmeldungen bis am 27. April Zeit. Bereits vor der öffentlichen Präsentation konnten sie mit den Verantwortlichen ins Gespräch treten. Das Inventar wird erst verbindlich, wenn es die Gemeinde im Rahmen der laufenden Revision der Ortsplanung in die Ortsplanung integriert. Über die Ortsplanung entscheidet die Gemeindeversammlung.
Die Verantwortlichen betonten, dass es nicht die Idee sei, dass an den geschützten Liegenschaften baulich gar nichts mehr getan werden dürfe. Es gehe in den Verhandlungen stets auch um eine Interessensabwägung. Der Ortskern solle weiterentwickelt werden können.
Befürchtungen wegen möglichen Wertverlusten
Längst nicht alle verspüren die von Jürg Andrea Bossardt erhoffte Freude und den Stolz, dass ihre Baute im Bauinventar Ortskern klassiert ist. Gerade jene Liegenschaftseigentümerinnen und -eigentümer, deren Gebäude in eine höhere Schutzkategorie versetzt wurde, befürchten zusätzliche Einschränkungen und womöglich einen Wertverlust ihrer Liegenschaft.
«Wir wollen kein Ballenberg in Bottmingen», versicherte Barbara Wittmer vom Begleitbüro für Raumentwicklung «plan:team». Wittmer erinnerte an den Wert des Bottmingen Ortskerns und riet zu einem Perspektivenwechsel: «Es hat viele kleine einzelne Gebäude, die Bottmingen als Ganzes ausmachen. Sind Sie stolz, dass Ihr Gebäude Teil davon ist.»
Sämtliche Pläne und das Fachgutachten sind auf der Website der Gemeinde Bottmingen abrufbar.
Tobias Gfeller


