«Vielleicht ist Heimat gar kein Ort, sondern eine Art»

  06.08.2026 Therwil

Beat Jans sprach an der Therwiler Bundesfeier. Ausserdem gab es feines Essen, Musik und einen Lampionumzug.

Auch dieses Jahr herrschte am 31. Juli Hochbetrieb beim Bahnhofsschulhaus. Laut Schätzung der Veranstalter waren 700 Besucherinnen und Besucher dort. Zahlreiche Mitgliedsvereine von «d’Verein vo Därwil» machten den Anlass möglich: «Sie helfen beim Aufstellen und beim Aufräumen, bedienen an den Ständen oder backen Kuchen fürs Buffet», erklärte Gemeinderätin Bea Kunzelmann (Die Mitte).

Das Publikum wartete gespannt auf die um 20.30 Uhr angesetzte Rede von Bundesrat Beat Jans (SP). «Wir haben uns bald nach dem letzten 1. August darum bemüht, dass er kommt», berichtete «d’Verein vo Därwil»-Präsident Simon Feigenwinter. «Wir versuchten, ihm den Besuch mit dem kurzen Weg von Kleinbasel nach Therwil schmackhaft zu machen.» Mit Erfolg: Kurz nach 20 Uhr kam Beat Jans an, begleitet von einer Weibelin sowie von Gemeindepräsident René Saner und dessen Vize Philipp Brugger.

Nach einer humorvollen Begrüssung («Therwil ist das einzige Dorf, das stolz darauf ist, nicht ganz 100 zu sein») stellte Jans den Begriff Heimat ins Zentrum. Er bezog sich auch auf die Baseballcap des Bundespräsidenten Guy Parmelin (SVP), die dieser an der WM getragen hatte («Switzerland: Great since 1291»). Jans erinnerte aber auch an die Meilensteine 1848 (Annahme der ersten Bundesverfassung) und 1971 (Einführung des Frauenstimmrechts). Er schloss die Rede mit einem Wortspiel: «Vielleicht ist Heimat ja auch gar kein Ort, sondern eine Art. Eine Art, wie man zusammen ist und miteinander umgeht. Da bin ich mir zu 99 Prozent sicher.» Nach Lachern und Applaus des Publikums und vielen Selfies nahm Jans sich Zeit für ein Interview.

Auf einer Skala von 1 bis 99, wie war Ihr Abend?
98.

Was ist Ihr Bezug zu Therwil?
Das Leimental ist für mich ein Ausflugsort. Ich bin oft hier mit meiner Frau, unseren Kindern und mit unserem Hund. Das Leimental gehört zu meiner Region, zu dem Ort, den ich Heimat nenne.

Und haben Sie hier einen Lieblingsort?
Besonders gut gefällt es mir in Leymen.

Erinnern Sie sich an die erste 1.-August-Rede,die Sie gehört haben?
Im Detail nicht, aber das war bestimmt die Rede des Gemeindepräsidenten in Riehen an der Bundesfeier.

War das eine Rede, nach der Sie sofort wussten, dass Sie auch 1.-August-Reden halten wollen?
Nein. Das habe ich erst später für mich entdeckt, nachdem ich 2021 Basler Regierungspräsident wurde.

Sie halten dieses Jahr drei 1.-August-Reden. Letztes Jahr waren es vier. Wie wählen Sie die Einladungen aus?
Besonders wichtig ist es mir, möglichst alle Regionen zu berücksichtigen: Dieses Jahr gehe ich neben Therwil auch noch ins Emmental und nach Genf. Es war ein bewusster Entscheid, dieses Jahr eine Rede weniger zu halten. Mir ist es wichtig, Zeit zu haben, um bei den Leuten sitzen bleiben zu können. Ich nehme nicht den Helikopter, um möglichst viele Bundesfeiern in einem Jahr zu besuchen. Ich will mit den Leuten reden können, rausfinden, wie es ihnen geht, zusammen eine Bratwurst essen.

Sie gehen in Ihrer Rede auf die Hitzewellen dieses Jahres ein. Wie haben Sie diese persönlich erlebt?
So etwas wie dieses Jahr habe ich noch nie erlebt. Alle Wiesen in unserer Region sind gelb. Das ist besorgniserregend.

Haben Sie einen Trick gegen die Hitze?
Ich wohne nahe an Flüssen, in Kleinbasel am Rhein und in Bern an der Aare. Ein Schwumm vor dem Zubettgehen oder am Morgen vor der Arbeit wirkt Wunder.

Gehen Sie etwa immer noch in den Rhein? Trotz Algen und dem Wasserstand?
Ja. Sicher. Es ist nicht so schön wie auch schon und die Pegel sind bedenklich tief. Aber es kühlt noch immer ab.

Gregor Szyndler


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