Wald und Forstbetrieb im Klimastress

  09.07.2026 Ettingen

Die Klimagruppe Leimental lud zum Rundgang durch den Ettinger Wald. Revierförster Tim Oberkirch zeigte eindrücklich auf, welche Auswirkungen der Klimawandel auf den Wald hat.

19 Uhr, Treffpunkt Lindenrank. Noch immer zeigt das Thermometer weit über 30 Grad an. Der Boden im Wald ist ausgetrocknet. Risse überziehen den Wanderweg. Treffender im negativen Sinne hätte die Themenwahl der Klimagruppe Leimental nicht sein können. Die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald sind auch für Laien deutlich sichtbar. Revierförster Tim Oberkirch machte auf dem Rundgang auf wichtige Details aufmerksam und zeigte auf, welche Herausforderungen der Klimawandel für die Forstbetriebsgemeinschaft Am Blauen hat. Der Forstbetrieb umfasst die Gemeinden Bättwil, Ettingen, Hofstetten-Flüh, Metzerlen-Mariastein, Witterswil sowie den Staatswald Rotberg und bewirtschaftet insgesamt 1400 Hektaren Wald.

Der Rundgang am 23. Juni stiess mit 25 Teilnehmenden auf grosses Interesse. «Jede und jeder verbindet mit dem Wald Emotionen und hat einen Bezug dazu», begründete Sabine Mehring, Initiantin der Klimagruppe Leimental, das Interesse am Thema. Es gehe beim Rundgang auch darum, den Menschen aufzuzeigen, dass Massnahmen im Wald notwendig sind. «Der Klimawandel im Wald hat Auswirkungen auf das ganze Leimental», betont Mehring.

Durchmischung des Baumbestandes
Es seien nicht nur die hohen Temperaturen, die Stress für den Wald bedeuten, erklärte Tim Oberkirch gleich zu Beginn. Auch die zunehmende Trockenheit, starke Regenfälle und häufigere Stürme seien Folgen des Klimawandels. 2019 musste der Forstbetrieb erstmals grössere Holzschläge aufgrund abgestorbener Buchen vornehmen. Dabei gehe es auch immer um die Sicherheit der Waldbesucherinnen und -besucher, betonte Oberkirch. Die Buche, die mit der Trockenheit Probleme bekundet, prägt mit einem Anteil von 60 bis 70 Prozent noch immer den Ettinger Wald. Trotz der Schwierigkeiten möchte Tim Oberkirch «den Brotbaum» Buche nicht aufgeben.

Die Forstbetriebsgemeinschaft setzt im Rahmen des Klimawandels auf eine Verjüngung und Durchmischung des Baumbestandes. Als «Zukunftsbäume», wie sie Tim Oberkirch nennt, gelten Am Blauen die Linde, Douglasien und Föhren. Auch exotische Baumarten wie die Elsbeere und der Speierling werden gezielt gepflanzt. Auf die Nachfrage eines Rundgangteilnehmers, wie abgeschätzt werden kann, welche Baumarten auch noch in hundert Jahren ideal sein werden, blickte Revierförster Oberkirch auch in die Vergangenheit: «Man kann heute im Wald nicht mehr so langfristig planen wie früher. Welche Bäume in Zukunft gut sind, ist heute extrem schwer zu sagen. Man muss auch ein bisschen austesten.»

Einfach in den Süden zu blicken und nachmachen, was dort wächst, funktioniere nur bedingt, mahnte Tim Oberkirch. «Es geht nicht nur um Temperaturen und Niederschläge. Es geht auch um die Bodenbeschaffenheit und die Sonneneinstrahlung. Diese sind nicht überall gleich.»

Immer mehr Brombeeren und Waldreben
Durch den höheren Stickstoffgehalt in der Luft nehmen Brombeeren im Wald immer mehr Überhang. An «guten Tagen» können diese bis zu 7,5 Zentimeter wachsen und überziehen ganze Flächen. Die dichten Brombeeren nehmen den Jungbäumen das für das Wachstum lebenswichtige Licht. Erreichen die Jungbäume eine gewisse Grösse, werde die Waldrebe zum nächsten Problem. Da die Forstbetriebsgemeinschaft Am Blauen nicht wie anderen Reviere bei Neupflanzungen auf Hunderte Bäume in Reihen setzt, sondern in grösseren Abständen «kreuz und quer», wie es Revierförster Tim Oberkirch formuliert, Bäume pflanzt oder ganz auf die Naturverjüngung setzt, wird das Entfernen der Brombeeren und Waldrebe zur Schwerarbeit. «Früher reichte es, wenn wir die Brombeeren einmal im Jahr schneiden. Heute müssen wir zwei- bis dreimal im Jahr ran.» Die Arbeit wird von Hand mit Sichel und Gertel erledigt. Die Pflege der Jungwaldflächen ist für die Mitarbeitenden des Forstbetriebsgemeinschaft körperlich und zeitlich höchst intensiv.

Auf den Klimawandel aufmerksam machen auch die absterbenden Eichen. Solange sie keine Gefahr darstellen, können sie zum Nutzen von Insekten und
Spechten stehen gelassen werden. An einem abgebrochenen Stamm war dank dem Hinweis von Tim Oberkirch der Sonnenbrand deutlich erkennbar.

Auf einer Fläche, auf der in diesem Jahr gerodet wurde, wachsen auf kleinem Raum elf unterschiedliche Jungbäume. «Alle durch Versamung selber gewachsen», erklärt Oberkirch. Auf das Bewässern werde verzichtet, sagte der Revierförster auf Nachfrage. «Der Wald ist Natur. Würde man die Bäume in jungen Jahren wässern, müsste man sie auch später wässern. Die Jungbäume müssen mit den trockenen Bedingungen klarkommen, sonst ist es kein Zukunftsbaum.»

Bereits zwei Waldbrände
Die Trockenheit erhöht auch die Waldbrandgefahr, mahnte Tim Oberkirch bei einem improvisierten Picknick-Platz mit illegaler Feuerstelle. 2026 gab es im Ettinger Forst bereits zwei kleinere Waldbrände – verursacht durch nicht sachgerecht gehaltene und verlassene Feuerstellen.

Zum Abschluss des Rundgangs wurde der Revierförster von einem Teilnehmer gefragt, wie er die Veränderung des Waldes persönlich wahrnehme. «Seit meiner Lehre 2016 hat sich der Zustand des Waldes extrem verschlechtert. Es macht keinen Spass, dürre Bäume abzuhauen. Es ist auch gefährlich für die Mitarbeitenden.» Die Eindrücke von diesem Abend hinterliessen bei den Teilnehmenden Spuren. «Es hat mich sehr berührt, was der Klimawandel im Wald für Auswirkungen hat», sagte Sabine Mehring zum Abschluss. Tobias Gfeller


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