«Was ich beim FC Oberwil habe, ist etwas Besonderes»
05.11.2026 OberwilColin Guercio beendete nach 20 Jahren seine Aktivkarriere bei den Rotweissen.
Freitagabend, Flutlicht, Spitzenspiel Zweiter gegen Erster. Die Partie zwischen der zweiten Mannschaft des FC Oberwil und der dritten des SC Binningen in der 4.-Liga-Gruppe 3 war einer der Knüller im regionalen Amateurfussball am letzten Wochenende. Aus Oberwiler Optik gab es auch noch aber eine andere Besonderheit: Es war der letzte Match für Colin Guercio als Aktiver im Dress des FC Oberwil, der in seinem Leben nur das rotweisse Trikot getragen hat.
«Er ist eine Legende», sagt Mitspieler Nicolas Costeggioli, der auch sein bester Kumpel im Team ist. «Ein super Typ, sehr verlässlich», ergänzt Nicholas Rodriques, Guercios Trainer und früherer Mitspieler, der auch sportlich viel vom Mittelfeldspieler hält. «Er ist polyvalent und gut am Ball.»
Kurios: Die FC-Oberwil-Legende hat nie in Oberwil gewohnt. «Ich bin aus Bottmingen, wo es keinen Fussballclub gibt. Ich hatte also die Wahl zwischen dem SC Binningen und dem FC Oberwil», erzählt Guercio, der sich wie seine beiden Brüder den Rotweissen anschloss. Zunächst wirbelte er am rechten Flügel, rückte dann im Lauf der Jahre aber nach hinten. Ob im zentralen Mittelfeld, als Innenverteidiger oder rechter Aussenverteidiger – auf Colin Meyer (den Nachnamen seiner Frau trägt er seit der Hochzeit) war stets Verlass. «Er war immer fit, ist gelaufen wie ein Büffel und war nie kaputt zu kriegen – das habe ich stets bewundert», berichtet Nicolas Costeggioli und erwähnt auch, dass Guercio seinen schwachen linken Fuss im Laufe der Jahre konsequent trainiert und auf ein ordentliches Niveau gebracht hat. «Es hat zwar immer noch komisch ausgesehen, aber sein linker Fuss ist merklich besser geworden.»
Als 16-Jährige spielen Guercio und Costeggioli im B-Junioren-Alter in der starken A-Junioren-Mannschaft des FC Oberwil. Trainer Beat Kron holte die Teenager ins «Eins», das kurz darauf die Promotion in die 3. Liga schaffte. Später ging es auch noch eine Stufe höher. «Die Aufstiege waren sicher die Highlights meiner Aktivkarriere», erzählt Guercio und erinnert sich, «wie wir nach dem ersten Aufstieg alle Champagner und Bier aus meinem Fussballschuh getrunken haben …»
Als Mitspieler war Guercio «sehr sozial», wie Nicholas Rodriques anmerkt, und für jeden Spass zu haben. «Sagen wir mal so, im Trainingslager sollte man ihm besser keine Shampooflasche geben», grinst Nicolas Costeggioli. Die fussballerischen Qualitäten des zweikampfstarken Rechtsfüssers blieben höher spielenden Vereinen natürlich nicht verborgen, doch zu einem Wechsel kam es nie. Der Grund: «Die Kollegen! Seit ich angefangen habe, spielen einige meiner besten Kollegen hier und tun es auch jetzt noch. Was ich hier beim FC Oberwil habe, ist etwas Besonderes – und das wollte ich nicht aufgeben.» 16 Jahre lang kickte der mittlerweile in Binningen wohnhafte Sportlehrer im «Eins», ehe er aus privaten Gründen sein Fussballpensum reduzierte und in die zweite Mannschaft des FC Oberwil wechselte. Dort absolvierte der Vater eines Sohnes nun sein letztes Spiel. Mit einer Pyroshow wurden die Teams beim Einlaufen begrüsst und vor Anpfiff erhielt der Routinier vom Vorstand ein Sixpack Bier und einen Blumenstrauss. Und als Guercio nach 70 Minuten vom Feld ging, gab es viel Applaus und noch mehr Pyros. «Ich hatte feuchte Augen», gesteht der Mann, der nicht nur wegen seiner Dernière einer der Protagonisten der Partie war. Denn als der FCO die Binninger Führung aus der 51. Minute sechs Zeigerumdrehungen später ausglich, hiess der Torschütze Colin Guercio! «Es ist fast zu kitschig!»
Nun lässt es der 36-Jährige, der als Achtjähriger zum FC Oberwil gekommen ist, etwas ruhiger angehen. «Wahrscheinlich steige ich nach der Winterpause bei den Senioren ein», blickt der Hobbykoch, der auch gerne reist, voraus. Colin Guercio dürfte also weiterhin auf dem Sportplatz Eisweiher im rotweissen Trikot anzutreffen sein. Zu seinen ersten drei Jahrzehnten beim FCO meint er: «Ich möchte meiner Mutter, meiner Frau sowie allen Trainern und Staffmitgliedern, die mich durch meine Fussballkarriere begleitet haben, danken. Ohne ihre Unterstützung hätte ich es nicht geschafft!» Alan Heckel


