BALOISE SESSION 2026
«Wir sind die Heinzelmännchen im Hintergrund»
27.08.2026
Regio
BALOISE SESSION 2026
Wo Musik zum Erlebnis wird, spielen Ton und Licht eine entscheidende Rolle. An der Baloise Session sorgt AudioRent Clair dafür, dass internationale Stars nicht nur zu hören, sondern auch punkto Licht perfekt in Szene gesetzt sind. CEO Toni Scherrer spricht über Technik, Präzision und die Arbeit hinter den Kulissen.
Wenn ein Zuschauer an einem Konzert sagt: «Der Sound war fantastisch» – woran erkennt ein Profi, dass der Ton wirklich gut abgemischt ist?
Toni Scherrer: Generell ist «Sound» bis zu einem gewissen Grad subjektiv: zu leise, zu laut, zu aggressiv, zu bass-lastig etc. Es gibt aber auch so etwas wie die goldene Mitte, wo sich fast alle Besucher einig sind, dass ein Konzert gut geklungen hat. Dies ist etwa an der Baloise Session dank der jahrelangen Erfahrung und der hohen Qualität der Bands und Techniker fast immer der Fall. Wichtig für uns als Dienstleister ist es, dass es an jedem Ort in der Halle, im Stadion oder auf dem Feld gleich klingt. Was dann der Mischer/Band daraus macht, hat oft auch etwas mit den Vorgaben der Künstler und des Managements zu tun.
Musik hört man – Licht sieht man. Weshalb beeinflusst eine Lichtshow trotzdem so stark, wie wir Musik wahrnehmen?
Ich denke, es ist ein Zusammenspiel von verschiedenen Emotionen, verbunden mit dieser speziellen Live-Atmosphäre. Nimmt man das Beispiel der Baloise Session, beginnen die Eindrücke bereits beim Eintritt in den Saal mit der Einlassstimmung, den Clubtischen bei Kerzenlicht und somit kreierter Club-Atmosphäre. Natürlich geht jeder Zuschauer auch davon aus, dass die Musik eine «anständige» Qualität aufweist. Da fällt es eher auf, wenn es besonders gut oder eher schlecht ist. Beim Licht handelt es sich um Inszenierungen, die uns immer wieder zum Staunen bringen; mit der heutigen Technik ist das noch eindrücklicher und wird durch den Sound sowie das Liveerlebnis noch vertieft.
Moderne Konzertproduktionen bestehen aus Ton, Licht, Spezialeffekten und oft auch Pyrotechnik. Wer sorgt dafür, dass all diese Elemente sekundengenau zusammenspielen?
Bei diesen grösseren Produktionen ist oft ein künstlerischer Leiter mit dabei, der für den Ablauf/die Dramaturgie sorgt und so, oft zusammen mit dem Künstler und Management entschieden wird, welche Effekte wann eingesetzt werden sollen. Auch der Lichtdesigner bringt seinen künstlerischen Einfluss in die Produktion. Bei den Proben wird dann alles perfektioniert, dass zum Beispiel auch noch Soundeffekte hinzukommen etc. Das Endprodukt wird heute meistens mit einem Timecode versehen, sodass alles zusammen im richtigen Moment passiert. Bei kleineren Produktionen werden Licht- und Pyroeffekte auch immer noch manchmal von «Hand» des Lichtoperators, der die Show natürlich gut kennt, ausgelöst.
Das Publikum sieht meist nur Lautsprecher und Scheinwerfer. Welche technische Infrastruktur bleibt für die Besucher unsichtbar – und überrascht Laien am meisten?
Bei Backstage-Führungen erfahre ich meistens die Verblüffung über die vielen Techniker, die im Hintergrund ihre Arbeit verrichten, die Menge an Material, die kilometerlangen Kabelbäume, dass alles in einem Tag rein- und auch wieder rausgebaut wird. Oft ist auch die komplette Videoregie hinter der Bühne. All diese Infrastruktur wird von rechenzentrumstauglichen Core Switches gesteuert und mittlerweile auch von IT-Spezialisten konfiguriert.
Viele Besucher nehmen ein Hallenkonzert und ein Open-Air-Konzert einfach als zwei verschiedene Erlebnisse wahr. Wo liegen aus Sicht der Tontechnik die grössten Unterschiede – und welche Veranstaltung ist technisch anspruchsvoller?
Die Beschallung auf einem offenen Feld ist, abgesehen von Wind und Wetter, oft einfacher, da es im Gegensatz zu Hallenstadien keine Reflexionen gibt; das ist in geschlossenen Räumen mit verschiedenen Wand- und Deckenmaterialien, Ebenen etc. eine grössere Herausforderung. Auch an der Baloise Session hat es diese Abstufung, zudem ist die Halle breiter als tief. Aus diesem Grund braucht es zum Teil auch akustische Hilfen wie die Stoffvorhänge, um den Besuchern auf allen Plätzen ein tolles Musikerlebnis zu ermöglichen.
Wie sieht es beim Licht aus?
Hier sind Innenräume einfacher bespielbar, da es halt von Beginn weg dunkel ist. An der Baloise Session starten wir mit einer gedimmten Stimmung im Saal, so wie es das Konzept des Veranstalters auch wünscht, um diese spezielle Clubatmosphäre zu erzeugen. Trotzdem braucht es eine gewisse Helligkeit für die Tische und damit die Treppen nicht zur Stolperfalle werden. Während der Konzerte ist es im Raum dunkel, und die Bühnenbeleuchtung übernimmt ihren Teil für ein hoffentlich magisches Konzerterlebnis.
Wenn Sie einem Festivalbesucher vor dem nächsten Konzert nur einen einzigen Tipp geben dürften, worauf er einmal bewusst achten sollte – damit er die Arbeit von Licht- und Tontechnikern neu wahrnimmt: Was wäre das?
Das ist schwierig zu sagen, da wir ja die «Heinzelmännchen» im Hintergrund sind, die eben die Bühne frei machen, damit das Publikum eine möglichst perfekte Show geniessen darf. Viel Vorbereitung findet bereits tagsüber statt, sodass gerade Umbauten möglichst schnell erfolgen können. Vielleicht fällt hin und wieder auf, wie schnell der Umbau an der Baloise Session von einer Band zu anderen geht. Da passiert in wenigen Minuten ganz viel.
Michael Martin



