«Wir stehen vor einer starken Überalterung»

  09.04.2026 Bottmingen

Die Spitex Bottmingen Oberwil ist 125 Jahre alt. Geschäftsleiter Lukas Küng-Dobler und Vorstandspräsident Martin Boltshauser im Interview.

Sie feiern 125 Jahre Spitex.Was war Ihr Höhepunkt des Jubiläumsjahrs?
Küng: Aus organisatorischer Sicht war das Jubiläumsfest für mich ein erfüllender Moment, da sich die Vorbereitung und die Planung gelohnt haben und alles wunderbar ineinandergriff.
Boltshauser: Für mich war auch das schöne Fest auf dem Wehrlinplatz, das wir mit der Bevölkerung feierten, der Höhepunkt.

Wo steht die Spitex so kurz vor der Generalversammlung 2026?
Boltshauser: Nebst dem Arbeitsalltag sind wir mit allen Gemeinden von Allschwil bis ins hintere Leimental im Endspurt der Einführung der überregionalen Nachtspitex. Und im Rahmen der Ausbildungsoffensive im Kanton arbeiten wir mit dem Branchenverband für Berufsbildung zusammen und bilden Lernende aus.
Küng: In den letzten Monaten haben wir unsere Aufbauorganisation den aktuellen Gegebenheiten angepasst. Dies vor allem aufgrund der stark steigenden Nachfrage. Unser Gerüst passte nicht mehr zu den steigenden Aufgaben im Gesundheitswesen. Dies in der täglichen Arbeit umzusetzen, wird uns weiter beschäftigen.

In welchen Bereichen steht die Spitex am meisten unter Druck?

Boltshauser: Da stehen der Fachkräftemangel und die zunehmende Pflegebedürftigkeit im Vordergrund. Wir könnten noch viel mehr machen, aber wir können nur finanzierte Leistungen anbieten.
Küng: Ich bin überzeugt, dass wir durch den Grundsatz «ambulant vor stationär» aus finanzieller Sicht langfristig günstiger für die Allgemeinheit fahren. Ich denke, die ganze Gesellschaft muss sich bewusst sein, dass wir vor einer starken Überalterung in den nächsten 20 Jahren stehen. Dieser finanzielle Druck wird uns alle beschäftigen. Dabei gilt: Der Günstigste ist nicht der Beste. Wir setzen auf Qualität und Leistungssicherheit.

Wie behauptet sich die Spitex gegen immer mehr private Spitexorganisationen?
Boltshauser: Die Spitex muss sich gegen niemanden behaupten. Wir koordinieren wo immer möglich mit anderen Leistungserbringern. Im Vordergrund steht nicht in erster Linie die Konkurrenz, sondern die Qualität der angebotenen Leistung.
Küng: Als verlässlicher Partner der Trägergemeinden Bottmingen und Oberwil überzeugen wir durch eine hohe Qualität und Kundenzufriedenheit sowie durch eine tiefe Kostenstruktur. Zudem möchten wir weiterhin ein attraktiver Arbeitgeber sein, auch für die neue Generation, die andere Bedürfnisse hat. Hier legen wir den Fokus auf die Arbeitszeiten.

Onkologie, Palliativpflege, Kinderspitex: Immer komplexere Krankheitsbilder werden ambulant versorgt. Wo stösst die Spitex an Grenzen?
Küng: Durch die verbesserten Technologien können wir bereits heute vieles abdecken. Ein weiterer Schritt ist die Realisierung einer 24/7-Spitex. Dort können wir die stationären Einrichtungen weiter entlasten und Kosten für die Allgemeinheit einsparen.
Boltshauser: Fachspezifische Leistungen, zu denen auch Demenzpflege und psychiatrische Pflege gehören, werden zentral für den ganzen Kanton aus einer Hand erbracht, zum Beispiel von der Kinderspitex. Dort, wo dezentral zu erbringende Dienstleistungen sinnvoll sind, werden sie in Koordination mit anderen Anbietern oder als neue Zusatzleistung erbracht. Hier ist die Spitex Bottmingen Oberwil in einem grossen Wandel. Die Strategie unserer Spitex ist soeben darauf ausgerichtet worden.

Welche Unterstützung braucht die Spitex von Politik und Gemeinden?
Boltshauser: Wir brauchen eine gesicherte Finanzierung, was bis heute auch der Fall ist. Die Erbringung ambulanter Leistungen ist politisch sinnvoll, entspricht sie doch dem Wunsch der überwiegenden Zahl pflegebedürftiger Menschen. Die Verhinderung von Heimeintritten ist dank ambulanter Versorgung zu Hause finanziell günstiger.

Wenn Sie an die Spitex in zehn Jahren denken – was ist der grösste Unterschied zu heute?
Küng: Die Dienstleistungen werden noch spezifischer auf die Bedürfnisse der Kunden angepasst. Gleichzeitig wird es aufgrund der demografischen Entwicklung eine starke Zunahme geben, da Mitte der 30er-Jahre beinahe doppelt so viele achtzigjährige Personen in unseren Gemeinden leben als heute. Dies bedeutet eine starke Steigerung an Leistungsstunden. Diese gilt es personell und finanziell zu bewältigen.

Gregor Szyndler


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