Zu Besuch bei den Spechten im Therwiler Wald
12.03.2026 TherwilDie einheimischen Spechte rufen und trommeln schon früh im Frühling, und solange die Bäume noch keine Blätter tragen, ist das Aufspüren der Spechte an den Stämmen und in den Baumkronen einfacher.
Am ersten Samstag im März folgten über dreissig Naturbegeisterte der Ankündigung des Natur- und Vogelschutzvereins Therwil (NVT), die Spechte unserer Wälder optisch und akustisch kennenzulernen. Die versierten Exkursionsleiter Konrad Knüsel, Ilker Aycicek und Geri Brunner hatten sich vorbereitet: Ausgerüstet mit Fernrohren und Vogelbestimmungsbüchern starteten drei Gruppen beim alten Schützenhaus Chäppeli. Schnell wurde klar, dass das anhaltend warme Wetter einige Zugvögel aus dem näheren Mittelmeergebiet bereits nach Norden getrieben hat. Die Staren sind längst da, und die Singdrossel, ebenfalls ein Frühankömmling, trug ihre wiederholten Gesangsmotive von den Baumspitzen vor. Der Weidenlaubsänger, oder lautmalerisch Zilpzalp genannt, war gerade aus dem Süden eingetroffen. Auch die Rotkehlchen sangen unablässig: Die mediterranen Winterpopulationen sind zurückgekehrt, während die bei uns überwinternden Rotkehlchen ebenfalls nordwärts weitergezogen sind.
Dann meldete sich der erste Specht mit einem tonlich leicht abfallenden Wiehern. Der ruffreudige Grünspecht wird deshalb auch «Märzen-Füllen» genannt. Ein sogenannter Erdspecht, weil er häufig am Boden seine Nahrung aufpickt, nämlich Ameisen und deren Eier. Die Spechte können ihre klebrige Zunge weit aus dem Schnabel strecken und so in tiefen Rindenritzen die Insekten, Larven und Käfer herausziehen.
Das Trommeln verrät die Anwesenheit von Spechten. Es dient zur Revieranzeige und zur weit hörbaren Kommunikation zwischen den Geschlechtern. Der Buntspecht zeigte sich mit dem roten Hinterkopf, beim selteneren Mittelspecht leuchtete der ganze Scheitel rot. Allen Spechten gemeinsam ist die Anordnung der Fusszehen. Im Gegensatz zu allen anderen Vögeln mit drei Zehen nach vorne und einer nach hinten, sind bei den Spechten je zwei nach vorne und nach hinten gerichtet. Dies erlaubt ihnen, sich besser an den senkrechten Baumrinden festzukrallen, und der Schwanz dient ihnen dabei als Stütze.
Der Mittelspecht ist in der Schweiz rar, unsere Region ist aber Teil seines Verbreitungsgebietes. Denn der Mittelspecht lebt bevorzugt in Eichenwäldern. Die Eichen sind bei uns in Mischwäldern zahlreich vorhanden. Und deshalb ist auch der Mittelspecht bei uns gar regelmässig anzutreffen.
Ein spezieller Vogelgesang zog die Aufmerksamkeit auf sich: Eine seltene Zaunammer sonnte sich am reich strukturierten Waldrand. Ein ornithologisches Highlight für die Beobachtungsgruppe. Die Spechtexkursion bot nicht nur Gelegenheit, Spechte mit Auge und Ohr zu erfassen, sondern auch anderen Vogelarten zu begegnen. Das Gesangskonzert erweitert sich laufend mit der Rückkehr weiterer Zugvögel. Also aufgepasst, die Mönchsgrasmücke kommt schon bald.
Leonhard Hagmann


