LESERBRIEFE
Zukunft gestalten statt Ängste schüren
21.05.2026
Bottmingen
Die sogenannte 10-Millionen-Initiative vermittelt den Eindruck, die Schweiz könne ihre Herausforderungen einfach lösen, indem sie die Zuwanderung drastisch begrenzt. Doch die Realität ist deutlich komplexer. Die Initiative setzt auf Angst statt auf Lösungen.
Die Schweiz ist wirtschaftlich, gesellschaftlich und kulturell eng mit dem Ausland verbunden. Unsere Spitäler, Pflegeheime, Schulen, Forschungsinstitutionen und viele Unternehmen funktionieren nur dank Menschen, die aus anderen Ländern zu uns kommen und hier arbeiten. Gerade im Gesundheitswesen zeigt sich täglich, wie wichtig diese Fachkräfte für unsere Versorgung sind. Wer die Zuwanderung pauschal bekämpft, gefährdet unseren Wohlstand und schwächt wichtige Dienstleistungen.
Natürlich bringt das Bevölkerungswachstum Herausforderungen mit sich – etwa beim Wohnraum, beim Verkehr oder bei der Infrastruktur. Doch dafür braucht es gezielte Investitionen und eine vorausschauende Politik, nicht eine Abschottungsinitiative. Die Probleme werden nicht gelöst, indem man Menschen gegeneinander ausspielt.
Die Schweiz war immer dann erfolgreich, wenn sie offen, pragmatisch und international vernetzt war. Die 10-Millionen-Initiative hingegen gefährdet die bilateralen Beziehungen mit Europa und schadet unserem Wirtschaftsstandort. Am Ende zahlen wir alle den Preis – mit weniger Arbeitskräften, weniger Innovation und mehr Unsicherheit.
Darum braucht es ein klares Nein zu dieser Initiative. Die Schweiz soll auch künftig ein Land bleiben, das Verantwortung übernimmt, Chancen nutzt und Herausforderungen gemeinsam löst, statt einfache Scheinlösungen zu präsentieren.
Lucia Mikeler Knaack, Bottmingen
