Zwischen Affen, Päpsten und WC-Enten

  19.02.2026 Therwil

Der Strassenumzug war zweifelsohne ein Höhepunkt an der «Därwiler Fasnacht» vom Sonntag. Aber auch das fasnächtliche Treiben und die Schnitzelbänke am Abend wurden in vollen Zügen genossen.

Petrus war den Therwilern gut gesinnt. Trotz des nasskalten Wetters in den Tagen davor war es am Sonntag an der Fasnacht grösstenteils schön, es blieb trocken und sonnig. Das Highlight des Tages war der Strassenumzug mit 33 Formationen, darunter auffallend weniger grosse Wagenformationen, dafür mehr Bollerwagen – wahrscheinlich wegen der kantonalen Sicherheitsvorschriften.

Diese inspirierten übrigens auch die eine oder andere Clique zu ihrem Sujet. So zum Beispiel die «99er Schiinheilige», die als WC-Enten in fahrenden Toilettenhäuschen unterwegs waren. Darauf war zu lesen: «Mir schisse uf die neue Vorschrifte!» Statt Kartoffeln, Orangen und Räppli warfen sie den Besuchenden am Fasnachtsrand WC-Rollen zu. Auch die «99er Schluggspächt» hielten nicht viel von den neuen Regelungen: «Was chunnt als nögschts, was wird verbotte, dämnögscht darfsch nit mol meh verrotte.»

Mehrmals thematisiert wurde ausserdem das neue Feuerwerkverbot in Therwil. «Am 1. Auguscht isch jetzte Rueh, hörsch högschtens no dr Furz vonere Chue», stand auf einem Wagen. Und auch den «99er Rotznasä» passte das Verbot nicht so ganz: «Mir sin die letzte Knaller», verkündeten sie auf ihrem voll mit Feuerwerkskörpern dekorierten Wagen.

Geburtstage als Sujets
Auch weitere lokale Aktualitäten beschäftigten die Fasnächtlerinnen und Fasnächtler, so zum Beispiel die neue Parkplatzbewirtschaftung, die lang ersehnte Sanierung der Bahnhofstrasse, die Oldtimer-Ausstellung «99er Classics Therwil 2025» oder der Blumenautomat beim Blumengeschäft «immer grün kreativ». Gefeiert wurden einige Geburtstage, so zum Beispiel der 15. der Banane-Bieger, die als Affen natürlich Bananen verteilten, oder der 40. der Borggechäfer, die mit einem riesigen Geburtstagskuchen durch die Gegend fuhren.

70 Jahre Betty Bossi und 100 Jahre Migros waren – teils als Sujet, teils in Schnitzelbankversen – ebenfalls Themen an der diesjährigen Fasnacht. Aus serdem der FC Basel, der sich «wieder duuresetzt uf em Platz». Die 99er Schnäggeschlugger waren diesmal als Päpste unterwegs, die Schnitzge Waggis als Ranger im Jurassic Park. Diverse Guggen, unter anderem die Quätschkomode, die Krach-Schnygge und die Ohregribler, mischten sich unter die Cliquen und komplettierten die Fasnachtsatmosphäre mit den typischen Klängen.

«Mir dien’s richtä», so das Sujet der diesjährigen Therwiler Fasnacht, spannt den Bogen zwischen lokalen und internationalen Themen, indem es auf «ver-rückte» Situationen in Therwil und auch darüber hinaus anspielt. Diese aus den Fugen geratene Welt rückt die Fasnacht nun wieder zurecht, indem sie Menschen miteinander vereint und erdet.

Fasnacht verbindet also – das wurde am Sonntag in Therwil einmal mehr klar. Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren blieben auch Stunden nach dem Umzug im Zentrum und genossen die Stimmung, das fasnächtliche Treiben und die spontanen Guggenkonzerte in vollsten Zügen.

Helmpflicht an der Fasnacht?
Nicht fehlen dürfen an der 99er-Fasnacht natürlich auch die Schnitzelbänke. Und die gab es ab dem frühen Abend in mehreren Lokalen zu geniessen. Recht gemütlich wurde es zum Beispiel im überschaubaren Kaffi-Träumli – vor allem, als die 99er Rotznasä, die nicht etwa zu zweit oder zu dritt, sondern gleich mit Verstärkung der jungen Cliquenmitglieder ihre Verse vortrugen. «Müend luege, es goht nüm lang, do wetti, herrscht fürs Publikum Helmpflicht wäge de Konfetti», kritisierten sie die neuen kantonalen Vorschriften. Dran glauben musste der Kanton aber auch wegen der Verzögerungen in Zusammenhang mit der Bahnhofstrasse: «Dr Kanton schriebt sich d’Sicherheit uf d’Fahne ganz gross – denn sanieret endlich die Bahnhofstross.»

Weitere Themen waren klassischerweise Zürich, der Eurovision Song Contest oder der Klimawandel. Und wenig überraschend auch Donald Trump: «Jetzt gots denn nüme so lang und dr Trump wird e Eskimo sii, und wenn er denn vomene Yisbär gfrässe wird, suffe mir e gueti Fläsche Wyy», hiess es bei den «S’Poschthalters». Ettingen schaffte es ebenfalls mehrfach in die Schnitzelbankverse – diesmal aber auch Oberwil, genauer gesagt der Donnschtig-Jass, der dort im vergangenen Jahr stattgefunden hat: «Jetzt duet me scho wieder bi uns in der Region Jasse, doch was no schlimmer isch und das isch woor, bim ufs Ässe warte wachse dir scho wieder graui Hoor», kommentierten die Dräggschnäbel.

Gegen Abend überlegte es sich Petrus dann doch noch anders. Der Regen tat der guten Laune bei Fasnächtlern und Besucherinnen aber keinen Abbruch. Die laute Musik und die gutgelaunten Stimmen, die aus den am Strassenrand parkierten Cliquenwagen zu hören waren, liessen keine Zweifel offen.

Nathalie Reichel


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